Wir leben in einer Welt in der wir gelernt haben dass es von angeblicher Größe, Stärke und auch Schönheit zeugt, wenn wir mit hoch erhobenem Haupt und mit auf Hochglanz polierter Rüstung durchs Leben schreiten.
Unnahbar, unantastbar, unverwundbar zu sein, das scheint erstrebenswert.
Berührbar, verletzlich und empfänglich zu sein ist in dieser Konditionierung/Prägung das was uns dem mutmaßlichen Untergang weiht.

Und so wandeln wir durch unsere Leben, gehen hier und da mal ein bisschen in Kontakt, zeigen hier und da vielleicht mal eine Kleinigkeit und/oder einen Teil von dem der uns ausmacht, aber die größten Teile unseres Seins halten wir im Verborgenen.

Und meine folgenden Zeilen haben wie immer keinen Anspruch auf Wahrheit, sondern sind lediglich ein Ausdruck meiner Wahrhaftigkeit, ein kleiner Einblick in meine Perspektive im Hier und Jetzt wie ich zum Zeitpunkt meines jetzigen Seins in meinem jetzigen Kontext, in diesem Moment, in diesem Zustand auf die Energie fokussiere und reflektiere was mich im Innen und Außen bewegt.

Und so fühlt es sich grade an, als ob sich dieser Text durch mich hindurch schreibt, ohne dass mein Kopf eine wirkliche Chance hat zu reflektieren ob dieser Blogbeitrag überhaupt einen roten Faden und nicht nur wirre Gedankenfetzen enthalten wird.
Also lass ich mich überraschen was hier in schwarzen Schriftzeichen auf weißem Grund erscheinen mag….

Ich beobachte in den letzten Tagen sowohl im Innen, als auch im Außen diesen Tanz zwischen sich zeigen und sich verstecken wollen.
Und ich schaue in diesem Moment mit der Annahme auf die Welt, dass in uns allen der tiefe Wunsch verborgen liegt gesehen und geliebt zu sein. Und uns „zu Hause“ und zugehörig zu fühlen. Und gleichzeitig liegt hier wohl auch unsere größte Angst.
Denn wir wissen, wenn ich wirklich für mein wahres Sein, so wie ich wirklich bin geliebt werden möchte, dann muss ich mich zeigen. Und das vollkommen rein und wahrhaftig… wir könnten auch sagen „nackt“. Und nackt fühlen wir uns wohl am verletzlichsten.

Also haben wir im Laufe unserer Leben gelernt irgendwie zu „tricksen“ um möglichst abgesichert mit Netz und doppeltem Boden ein bisschen Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit zu bekommen und uns mal mehr hier und mal mehr da ein bisschen zugehörig zu fühlen. Aber bitte nicht zu viel davon, denn dann besteht ja wieder die Gefahr das alles verlieren zu können.

Also was tun wir in diesem Konstrukt?
Manche von uns gehen bewusst und/oder unbewusst den Weg sich nur zum Teil und mit bestimmten Verhaltensweisen wahrhaftig zu zeigen. Andere verhalten sich besonders laut, beanspruchen viel Raum um gesehen zu werden. Wieder andere verweilen in einer Art zurückhaltenden Hilflosigkeit und warten darauf, dass jemand anderes in Kontakt geht und sie rettet. Und andere wiederum sind einfach nur still und zurückhaltend, und hoffen ohne einen Anspruch gerettet zu werden darauf dass sie schon irgendwann von den richtigen Menschen gesehen und geliebt sein werden. Und es gibt noch so viele unterschiedliche entwickelte Verhaltensmuster in diesem Kontext mehr….

All diese Muster und Prägungen all die „Trickserei“ all die Schutzmechanismen die wir aufgebaut haben, um uns vor Wunden zu schützen die uns die da draußen angeblich zufügen können sorgen nur für eins:…. Das wir nicht wirklich Wir sind – bzw uns den anderen so nicht zeigen und/oder zumuten. Und so lange wir diese Muster und „Tricksereien“ aktiviert haben, gehen wir nicht richtig in Kontakt. Wir trennen uns von dem, nachdem wir uns -wenn wir ehrlich sind- so sehr sehnen.

Wenn es uns dann wirklich gelingt uns zu zeigen und wir das Glück haben einer anderen Seele zu begegnen, die uns auch wirklich sieht und sich ebenso öffnet, dann lässt unser System die Alarmglocken erneut klingeln und aktiviert wieder irgendein Abstands- und/oder Projektionsmuster was uns wieder einlädt in die angeblich sichere Selbstschutz- Trennung zu gehen.

Doch was passiert jenseits von diesen Mustern, diesen trennenden Projektionen. Was passiert, wenn es uns wirklich wahrhaftig gelingt uns so zu zeigen wie wir jetzt grade in diesem einzigartigen Moment sind. Egal was grade in uns aktiv ist und/oder nicht? Einfach mit dem zu sein was grade in uns ist und exakt dem Raum und Ausdruck zu geben- ohne Trickserei?
Uns mit dem zu zeigen. Nicht zu werten ob das grade gut und/oder schlecht ist, dass sich dieses Sein in uns formt und zum Ausdruck gebracht werden möchte? Einfach nur DAMIT authentisch und wahrhaftig zu sein?

Nur wenn Du Dich mir wahrhaftig zeigst, hab ich die Chance Dich zu sehen und zu spüren. Nur dann habe ich die Chance Dich in Deinem Sein zu erkennen und Dir wahrhaftig zu begegnen. Und damit meine ich nicht nur die Facetten an/in Dir, die Du selbst als schön bezeichnen würdest.
Wenn Du Dich mir mit und in Deinem Schmerz zeigst- wenn ich Deine Verwundung mit meiner liebevollen, achtsamen Präsenz bezeugen darf, dann mag das dich Zeigen in diesem Moment schmerzhaft für Dich sein, aber es birgt zeitgleich diese wundervolle Chance auf wirkliche Heilung.
Wenn Du Dich in Deiner Wut zeigst, ohne mich mit ihr verbrennen zu wollen, weil Du mich als den mutmaßlichen Feind im Außen ausgemacht hast. Wenn Du Dich in vollem Gewahrsein Deiner Projektion auf mich zeigst. Die Rüstung ablegst und mir erlaubst Dich aus den Augen des liebenden Bewusstseins heraus zu betrachten während Du Deine Projektion zu Dir zurücknimmst, sie in Dir prozessierst und integrierst, oder gehen lässt was Du fälschlicher Weise zu Deinem gemacht hast, was eigentlich gar nicht Dir entsprach, dann darf etwas in Dir heilen.
Und dann wird dort der Platz und der Raum frei in den meine Liebe einfließen und Dich berühren darf- wenn Du es denn erlaubst.

Und das wundervolle daran ist.
Auch wenn es vielleicht für mich ebenso schmerzhaft ist im Feuer Deiner Projektion auf mich zu stehen und es mich viel Kraft kostet nicht auf die Einladungen in mir anzuspringen.
Auch wenn Teile in mir sich eingeladen fühlen diese Spiele mit Dir zu spielen, die wir seit unzähligen Jahrhunderten miteinander spielen um immer wieder in die Trennung zu gehen und Kriege zu führen.
Wenn es mir gelingt Dich trotz all dem wirklich ausschließlich liebevoll zu sehen und Dir den Raum zu halten für Deinen heilsamen Prozess, dann darf auch in mir etwas heilen. Du heilst diesen Teil in mir quasi mit.

Und Durch Dein Dich zeigen öffnen sich in mir ebenfalls Türen und Themen dürfen sich zeigen, die ich dann durch den Spiegel Deiner Augen, Deiner liebevollen Präsenz in mir in Heilung bringen darf. Und so heilt auch ein Teil in Dir durch meinen Prozess mit.

Und ist es nicht eines der größten Geschenke die wir uns geben können in diesem liebevollen Begegnungsraum miteinander zu heilen?

Ich wurde diese Tage unter anderem gefragt in was für einer Welt ich mit meinem Sein leben möchte. Und diese Frage bewegt mich in den letzten Tagen hier in Berlin nochmal auf eine ganz andere Art/ in einer anderen Qualität als sonst… und mit meinen wenigen Worten werde ich all den Erfahrungen hier absolut nicht gerecht, dessen bin ich mir bewusst….

Und wenn ich jetzt in diesem Moment nachspüre mit welchen Worten ich diesen Text beenden möchte, was noch geschrieben werden will, … dann mag sich das ein bisschen out of context anfühlen… vielleicht aber auch nicht ….

Was wäre wenn wir uns der Welt einfach zeigen wie wir sind. Ohne unser Sein in gut und schlecht einzuteilen… ohne dauernd zu glauben wir seien von irgendetwas zu viel oder zu wenig. Wenn wir aufhören würden uns zu vergleichen. Wenn wir nicht glauben würden in dieser Welt ginge es um Konkurrenz und das den eigenen Wert beweisen zu müssen. Was wäre wenn wir davon ausgehen es gäbe genug Liebe auf dieser Welt für uns alle? Was wäre wenn wir all die dunklen Schatten und die Ängste nicht mehr versuchen weg zu machen, sondern sie ebenfalls als Teil unserer Existenz- unseres Seins einfach umarmen würden. Was wäre, wenn all die Schatten, die wir auf dieser Welt erkennen alle ebenfalls nur geliebt sein und nach Hause zurück kehren wollen?

Würden wir dann erkennen, dass wir alle Geschenke sind? Das in uns allen nicht nur eine Schönheit, eine Stärke, eine Größe, eine Reinheit verborgen liegt? Sondern das es das ist was wir wirklich sind… ? Würden wir dann erkennen, dass berührbar, verletzlich und empfänglich zu sein bedeutet unsere Leben wirklich bewusst zu erleben und zu verkörpern?

Und wieviel heiler, lebendiger und LIEBEvoller wäre diese Welt wenn wir uns so begegnen und uns aus dieser Verbundenheit heraus in die Welt begeben würden?
Schon jetzt sehr dankbar für die Erlebnisse und Begegnungen in diesem Oktober! ❤
-Treya