Gemeinsam neue Wege besch-reiten
Ein Artikel über Frauen und Männer auf dem Weg in eine neue Kultur des Miteinanders

Wie so häufig, wenn wir Menschen uns bewiesen haben, dass etwas auf eine bestimmte Art und Weise nicht funktioniert hat, neigen wir dazu genau das Gegenteil anzustreben.

Oft aber führt dieses radikale Streben nach dem komplett Anderen sowie auch dessen Umsetzung dazu, dass wir „von der anderen Seite vom Pferd fallen“. Das ist dann zwar anders, aber im Kern doch das gleiche Muster, auch wenn es im Außen auf den ersten Blick ganz anders aussieht. Aber eigentlich ginge es darum, gut und stabil im Kontakt zum Pferd und im Sattel zu bleiben und somit frei vom Muster zu sein.
Oft misslingt es leider, das darunter liegende Muster, den Kern, den Ursprung des Problems, wirklich zu verändern. Wir haben nur eine andere Art und Weise mit genau diesem Kern umzugehen entwickelt.

Und so erlebe ich als Frau gerade die Bewegung, die sich zwischen den Geschlechtern ereignet. Die große Sehnsucht nach Veränderung und „dem Neuen“ liegt im Feld. Nicht umsonst liest und hört man gerade überall von Frauen, die aufstehen, sich zeigen, ihrer Stimme Ausdruck verleihen, die gehört, gesehen werden und in den Rollen und Kontexten, in denen sie unterwegs sind, ernstgenommen werden wollen. Frauen, die eine Sehnsucht danach haben, sich als Frau in der heutigen Zeit mit allem was dazu gehört vollumfänglich er- und ausleben zu können.
Und auch die Männer erlebe ich auf ihrem Weg. Und an dieser Stelle beziehe ich mich ganz bewusst nur auf das, was ich- als Frau- in meiner subjektiven Wahrnehmung erlebe. Dabei bin ich mir sehr darüber bewusst, dass es eine weibliche Sicht ist, und dass ich mich in bestimmten, nicht unbedingt durchschnittlichen Kontexten und Systemen bewege, in denen ich nur diese eine- meine Perspektive -habe. So erlebe ich in dieser- meiner Perspektive – die Männer, mit denen ich mich dazu austausche, als auch auf der Reise. Auch sie erkennen, dass wir eine zwischengeschlechtliche Kultur geprägt haben, die keine der beiden beteiligten Kollektive wirklich erfüllt und nährt. Und viele von ihnen suchen ebenso nach neuen Wegen, ihre männlichen Qualitäten mit all den Facetten- sowohl den archaischen als auch den sensitiven Qualitäten – in die Welt, in Ihren Beruf, ihre Projekte und in die Beziehungen, die sie leben, bringen zu können.

Häufig gibt es unter Frauen die Vorannahme, dass es Männern so viel leichter fällt, und dass sie nicht die Themen zu bewegen haben, die wir Frauen zu bearbeiten und zu durchleben haben. Es mag sein, dass die Themen, die Männer auf Ihrem Weg bewältigen müssen, andere sind, oder es sind ähnliche Themen mit einer anderen Färbung. So oder so, glaubt mir- denn da berichte ich aus der Erfahrung intensiver Begegnungsübungen zwischen Männern und Frauen, die genau auf diesen Wegen wandeln. Diese wundervollen Männer gehen ebenso durch tiefe, transformative und schmerzvolle Prozesse wie wir Frauen auch!

Zurück zum Pferd: So ist die Erkenntnis, dass wir auf der einen Seite vom Pferd gefallen sind, bei beiden Geschlechtern schon vielen klar. Aus dieser Klarheit und dem Wunsch nach Veränderung heraus entstehen nun diverse- aus meiner Sicht mehr oder weniger sinnvolle – Gegenbewegungen.
Der Markt kann sich vor Kampagnen, Workshops und Projekten zu dem Thema gerade kaum retten. Viele dieser Angebote säen den Samen dafür, dass wir zwangsläufig von der anderen Seite vom Pferd fallen werden- ohne das darunter liegende kollektive Muster wirklich durchbrochen zu haben.

Meiner Meinung nach braucht es nicht…
– noch mehr Ratgeber für Frauen, die erklären, wie sie denn zu sein haben, damit sie den mutmaßlich richtigen Mann finden und auch behalten werden.
– noch mehr Kampfeshymnen für Frauen, die sich auf eine bestimmte Art im Business gegen den Mann behaupten sollen.
– noch mehr Ratgeber, geschrieben von Männern, die Frauen erklären, wie es geht, eine Frau zu sein.

Es braucht aber auch keine:
– Bücher oder sonstiges von Frauen, die Männern erklären wollen, wie sie „richtige Männer“ sind.
– Frauen, die oft dominant fordern, dass Männer Ihre Herzen öffnen müssen, damit (erst) dann eine neue Form des Miteinanders entstehen kann.
– gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen den Geschlechtern.
– Forderungen, dass der/die Andere den ersten Schritt machen muss.

Meine persönliche Meinung: Wir sollten aufhören, immer an dem oder der anderen rumdoktern zu wollen. Wir sollten erstmal bei uns selbst sein und bleiben. Uns selbst entdecken und erforschen- ohne uns immer im Vergleich zum anderen Geschlecht definieren zu wollen, sei es über vermeintliche Gemeinsamkeiten und/oder Unterschiede. Wir sind nun mal in diesem Leben in einem Körper unterwegs, der eine ganz individuelle Mischung an männlichen und weiblichen Qualitäten enthält und wenn wir diese in uns kennenlernen wollen- egal welchem Geschlecht wir zugeordnet sind – haben wir erstmal genug zu tun.

Ich erlebe immer wieder in Frauenkreisen und Entwicklungsgruppen, wie schwer es den Teilnehmer/innen fällt, wirklich „wirklich“ bei sich zu bleiben und nicht immer wieder auf das andere Geschlecht zu fokussieren.
Klar- es geht natürlich auch um Kontakt, Verbindung und Bezogenheit zum Gegenüber- sei es zum Mann oder zur Frau- aber bis das in einer neuen Form lebbar ist, haben wir erstmal genug bei und mit uns selbst zu tun.
Zum Glück gibt es zahlreiche professionelle Kolleginnen und Kollegen, die das erkannt haben und entsprechende Angebote zur Selbsterkundung anbieten. Und zum Glück gibt es da auch mittlerweile genug Kolleginnen und Kollegen, die davon absehen, starre Konzepte und mutmaßliche Idealbilder von Frauen und Männern zu vermitteln, die wieder nur dazu führen und beitragen würden, dass wir versuchen einer vorgegebenen Form zu folgen, anstatt dass wir wir selbst sein würden.

Und das ist schon mal ein großer Schritt in eine neue Richtung, die Hoffnung darauf macht, dass wir lernen, ganz natürlich, sattelfest in unserem Sein- Schritt für Schritt – unseren Weg zu gehen.

Jetzt kommt aber nochmal die andere Seite des Pferdes ins Spiel:
– Wenn Frauen und Männer auf diesem Weg erkennen, wie sehr sie damit beschäftigt waren sich an Idealbildern zu orientieren,
– Wenn sie erkennen, wer oder was überhaupt das eigene Bild vom idealen Mann und der idealen Frau geprägt hat, mit dem sie bisher ihr Leben gelebt haben,
– Wenn Sie erkennen, wie sehr vielleicht auch an ihnen rumgezogen und gezerrt wurde- und wie unfrei sie dadurch waren/sind, dann entsteht meistens bei beiden Geschlechtern eine Mischung aus Wut, Trauer, Enttäuschung und auch Schmerz, die dazu führen, dass wir ganz schnell in ein Opfer-Täter-Denken rutschen.

Projektionen die häufig unerkannt dem Gegenüber zugeschrieben werden, erzeugen die bösen Männer und die bösen Frauen, die sich dann wechselseitig zu Opfern machen und sich, dadurch dass sie die Vergangenheit aufrecht erhalten, auch heute noch gegenseitig Leid zufügen. Dies führt dann meist dazu, dass beide Geschlechter beginnen neue Verhaltensweisen und Denk- und Fühlmuster integrieren zu wollen, die aber häufig wieder eher in Kampf gegen den oder die andere führen. Mit viel Abgrenzung und einer Haltung, die darauf basiert dem jeweils anderen beweisen zu wollen, dass man ihn oder sie nicht braucht.

Dabei entstehen Frauen, die versuchen die besseren Männer zu sein. Frauen die versuchen, sich selbst den Mann mit seinen männlichen Qualitäten zu ersetzen.
Es entstehen Männer, die für ihre Freiheit und das vollumfänglich Mannseindürfen gegen die Frau zu kämpfen beginnen, oder die sich zunehmend zurückziehen, weil sie das Gefühl haben, ihr Mannsein gar nicht wirklich leben zu können/zu dürfen. Und viele schildern Unsicherheiten, dass sie gar nicht mehr wüssten, wie sie denn auf uns Frauen zugehen sollen.
Ebenso, wie wir Frauen versuchen der männlichen archaischen Kraft nachzueifern und dadurch oft zu fahlen maskulinen Kopien verkümmern, orientieren sich viele Männer an der weiblich sensitiven Qualität, wenn sie sanfter und empathischer sein wollen, und büßen dadurch ihre männliche Anziehungskraft ein.(Quelle: Gespräche mit Männern und Frauen auf ihren Wegen zur Urmännlichkeit/Urweiblichkeit).
Das können wir so machen. Das steigert mit Sicherheit unsere Unabhängigkeit und Autonomie, aber in meiner Wahrnehmung entfernt es uns noch weiter von unserem wahren Sein. Es entfernt uns von dem, wie wir ursprünglich gemeint sind, und dadurch auch von der Fähigkeit, wirklich nährende Verbindungen und Beziehungen eingehen zu können. Sehnsüchte, die beide Geschlechter haben, bleiben somit im Kern unerfüllt.
Und bei all dem Kampf und dem Lecken der eigenen Wunden wird dann häufig vergessen, dass wir immer Beides sind… Opfer und auch Täter.

An dieser Stelle werde ich jetzt mal sehr persönlich, denn hinter all diesen verkopften Gedanken, was uns fehlt, was wir brauchen, wie es sein könnte/sollte…. Hinter all der Theorie stehen Eure echten Leben, die gelebt werden wollen. Und nur wer sich traut da ehrlich und wahrhaftig mit sich zu sein, kann wirklich „wirklich“ was verändern.
Ich als Frau habe viele Jahre meines jungen Frauseins damit verbracht, mir Autonomie und Selbständigkeit zu erarbeiten. Meine Prägungen haben dazu geführt, dass ich dachte, ich müsse beweisen, dass ich keinen Mann in meinem Leben brauche. Viele Jahre lebte ich in der Arroganz besser und kompetenter in männlichen Qualitäten zu sein als so mancher Mann. Und ich war stolz darauf „den Mann“ nicht zu brauchen, feierte mich sogar, wenn ich in vermeintlich männlichen Bereichen nachweislich kompetenter oder erfolgreicher war. Und ich gehörte auch zu den Frauen die glaubte, sich ihren Platz in der Berufswelt zwischen all den Männern erkämpfen und erstreiten zu müssen. Heute weiß ich, dass ich eine Frau bin, die auch viele männliche Qualitäten in sich ausgeprägt hat. Das Missverständnis, welches ich hatte, war, dass ich diese auf männliche Art ausleben und zum Ausdruck bringen müsste. Ich orientierte mich an den Männern in meinem Umfeld und eiferte ihnen nach. Ich war erfolgreich, aber verlor immer mehr den Zugang zu mir selbst und meiner weiblichen Kraft und Intuition. Heute weiß ich, dass ich meine sogenannten männlichen Qualitäten in meiner weiblich archaischen Kraft finde und diese auch von dort aus zum Ausdruck bringen und leben kann. Und dass ich dadurch deutlich mehr Kraft habe und meine Intuition und Kreativität fördere statt schwäche.
Im Gegenzug dazu durfte ich einigen Männern begegnen, die den Zugang zu ihrer männlichen Sensitivität wieder gefunden haben, ohne dabei verweichlicht und gekünstelt zu wirken. Ganz im Gegenteil- Männer, die dadurch eine starke, vertrauensvolle männliche Präsenz ausstrahlen, die eine immense Anziehungskraft mit sich bringt.
Und wo wir grade bei der Anziehung sind, schwenken wir doch noch kurz auf die Partnerschaft:
Auch als Frau in der Partnerschaft war ich bemüht möglichst die Starke zu sein, die beweist, dass sie das Leben in der Partnerschaft wert ist. Ich war bemüht, dem Mann keine Last sein, dazu beizutragen, dass gemeinsame Ziele und Visionen wahr werden konnten und in all den anderen Bereichen der alltäglichen Lebensgestaltung stets gut integrierbar zu sein und meinem Mann den Rücken freizuhalten und zu stärken, damit er seinen Weg gehen kann (ohne dass er das jemals von mir verlangt hätte). Und dabei war ich hin und her gerissen- gefangen in einem Kampf zwischen Angst vor Abhängigkeit, Minderwertigkeitsgefühlen und dem Bedürfnis mich als Frau an meinen Mann anlehnen zu können, ohne dabei in irgendeiner Form schwach zu wirken. In Summe war ich mit meinem Frausein in mir selbst so gar nicht in Frieden und im Vergleich zum Mann fühlte ich mich auch deutlich weniger wert.
Doch bei all der Sorge um Freiheitsverlust, dem Bedürfnis wahrgenommen und ernst genommen zu werden, dem Gefühl als Frau und/oder Mann auf die ein oder andere Art in dieser Welt benachteiligt zu sein… weder Kampf noch Überanpassung werden uns auf einen neuen Weg bringen!
Ich bin dankbar, dass mein Leben mir die Erfahrung geschenkt hat und mich auf meiner Entwicklungsreise lehrte, dass es einen anderen Weg gibt. Und ich bleibe beim Beschreiben der folgenden Zeilen ganz bei meiner Ich- Perspektive, auch wenn ich viele Erfahrungsräume mit tollen Frauen geteilt habe, die ihre Erlebnisse ähnlich bis hin zu identisch beschreiben.
Ich „brauche“ den Mann- UND auch weibliche Beziehungspartnerinnen.- und zwar nicht für die Befriedigung von irgendwelchen Bedürfnissen, denn ich habe gelernt, die Verantwortung für die Erfüllung dieser meiner Bedürfnisse zu mir zurückzunehmen. Und dennoch durfte ich als heterosexuelle Frau erkennen: Ich „brauche“ den Mann und auch andere Frauen aus meinem individuellen Sein als Frau heraus, um vollumfänglich „Ich“, – um vollumfänglich Frau sein zu können.

Ich „brauche“ den Mann von Herzen, um voll Frau sein zu können (und das meine ich fernab von sexueller Vereinigung- auch wenn die wundervoll ist <3 ). Und ja, ich habe lange gebraucht bis ich das „Brauchen“ zugeben konnte, ohne innerliche Würgereize 😉. Hier hilft es übrigens die Bedeutungsräume zwischen diesem „Brauchen“, das ich meine und dem „symbiotischen in Abhängigkeit sein „Brauchen“ zu unterscheiden, denn das sind gänzlich verschiedene Arten des Brauchens.
Um wirklich wahrhaftig und vollumfänglich Frau sein zu können, müssen wir Frauen erkennen, was wir „brauchen“, um uns aus- und erleben zu können. Und dafür müssen wir zu allererst einen Zugang zu unseren wahren Gefühlen haben. Und wir müssen lernen, das wahre Bedürfnis hinter unserem Gefühl zu erkunden, um dann zu schauen welche Möglichkeiten wir haben, uns dieses Bedürfnis zu erfüllen – ohne jemand anderen im Außen dafür verantwortlich zu machen, dass er oder sie es uns erfüllen und befriedigen muss. Und in dem Wörtchen Befriedigung steckt das Wörtchen Frieden schon drin. Befriedigung finden wir nur im Frieden und nicht im Kampf bzw. in der kämpferischen Forderung. Und schon gar nicht, wenn wir die Befriedigung an einem Ort suchen, wo wir sie nicht finden werden.
Und wenn ich als Frau erkenne:
– dass es etwas gibt, was ich als Frau bei dem Mann suche, was ich dort aber nie finden werde,
– dass ich bestimmte Bedürfnisse nur im Kreise und im Kontakt zu anderen Frauen befriedigen kann,
– was es vielleicht nur von/bei einem Mann geben kann,
– was ich eigentlich bei dem Mann suche, mir aber nie gewahr war, was das eigentlich genau ist, und was es bedeutet, es nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden und anzunehmen und es genießen zu lernen, dass es sich erfüllt.
– was auch ich dazu beigetragen habe, dass es zwischen den Geschlechtern so ist, wie es ist…

…dann beginnt sich etwas wirklich „wirklich“ zu verändern. Dann gehe ich mit meinem Sein aus mir heraus in den Kontakt und die Bezogenheit. Und dies tue ich, ohne dauernd für den nächsten Kampf, die nächste Selbstbehauptung gewappnet zu sein.
Und wenn Du so in die Welt gehst, dann braucht es aus meiner Erfahrung heraus auch deutlich weniger Kampf und Selbstbehauptung im Business und privat. Dann werden wir Frauen wie von selbst auch von den Männern wahrgenommen und bekommen Feedback und Wertschätzung für Dinge, die Sie an uns schätzen, derer wir uns selbst meist nicht mal in dieser Form bewusst sind. Und wir können dann auch den Mann in seiner Individualität und seiner Unterschiedlichkeit schätzen. So verändert sich etwas- ohne Kampf- ganz friedlich- aus sich selbst heraus.
Nur ohne Kampf im ehrlichen Kontakt erkennen wir, wie bereichernd unsere Unterschiedlichkeiten sind. Dann erkennen wir, dass wir gemeinsam unschlagbar sind und nur so dazu beitragen können, dass es in dieser Welt in unseren Beziehungen und Organisationen friedlicher wird und wir gemeinsam im Sattel sitzend neue Wege erkunden.

Ja- da wartet auch eine Menge nicht nur individuelle, sondern auch kollektive Heilarbeit auf uns! Diese Heilarbeit- sei es die Heilreise der Frauen, aber auch die Heilreise der Männer und die gemeinsame Heilung in der Bezogenheit zueinander – braucht besondere geschützte und gehaltene Räume, in denen das geschehen kann und darf.

Beim Schreiben des Artikels kam ich hier vom Pfad ab und eröffnete einen weiteren Themenstrang, der sich damit beschäftigte, welche Komponenten erfüllt sein müssen, damit diese Räume für alle Beteiligten nährend, sicher und heilsam sein können. Dieser, als kurzer Themenexkurs geplante Passus, erwies sich allerdings als so komplex und wertvoll, dass ich entschieden habe, ihm einen eigenen Artikel zu widmen. Dazu also gerne an einer anderen Stelle mehr.

An dieser Stelle aber eine erste Anregung, wie Du im Alltag beginnen kannst, in die Erkundung zu gehen:
– Beobachte Dich im Kontakt zu anderen Frauen und Männern. Wie häufig erlebst Du Dich in einer Art Vergleich, im Sinne von „besser oder schlechter“? Wie oft ertappst Du Dich dabei, Deine Kompetenz beweisen zu müssen? Wie oft gehst Du in einen subtilen Kampf zum Gegenüber? Wie oft argumentierst Du um „recht“ zu haben?
– Reflektiere und halte inne- versuche rauszufinden, worum es hier gerade wirklich geht.
– Welche Gefühle nimmst Du wahr? Keine Denk-/Pseudogefühle, sondern welches Ursprungsgefühl steckt dahinter (Wut, Trauer, Angst, Scham,…) und wo fühlst Du es in Deinem Körper? Beginne es zu erkunden und folge dem Pfad. Wo bringt es Dich hin? Frage Dich welcher Teil von Dir gerade dieses Gefühl spürt?
– Erkunde das Bedürfnis dahinter. Welches Bedürfnis erlebst Du gerade als nicht erfüllt? (Sicherheit/Freiheit-Selbstbestimmtsein/ Zugehörigkeit/ Entspannung-Frieden). Und dann schau, welchen ersten Schritt DU tun kannst, um Dir Dein Bedürfnis zu erfüllen.
– Und je nach Situation und Kontext schau mal, ob es Dir gelingt, Dich mit Deinem echten Bedürfnis zu zeigen und in den Kontakt zu deinem Gegenüber zu gehen. Vielleicht gibt es ja einen gemeinsamen friedlichen Weg, der Dich dabei unterstützt Deine Bedürfnisse zu erfüllen.
Ich wünsche Dir viele Erkenntnisse und vielleicht sogar etwas Spaß beim Reflektieren im Alltag.
Von Herz zu Herz
-Treya

Meine Ideen und Erfahrungen sind natürlich von meinem individuellen Erleben geprägt und erheben keinen Anspruch auf Wahrheit, Allgemeingültigkeit und eine direkte Übertragbarkeit. Ich stelle meine Wahrnehmung und meine Perspektive zur Verfügung. Für mich geht es hier um die Reise der individuellen und einzigartigen Selbsterkundung. Ich schätze die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und freue mich immer auch auf Austausch über die Perspektive und die gelebte Wahrhaftigkeit von LSBTIAQ*-Menschen (die Abkürzung steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transident, Intersexuell, Asexuell und Queer, das Sternchen steht für weitere Lebensformen). Im Sinne einer breiten gesellschaftliche Akzeptanz und rechtliche Gleichstellung aller sexuellen Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten.